eBay Kleinanzeigen Rechnung beim Privatverkauf: DAC7, §25a UStG & Steuern 2026

eBay Kleinanzeigen Rechnung beim Privatverkauf: DAC7, §25a UStG & Steuern 2026

Dennis Bär

Der Käufer fragt nach einer Rechnung. Sie haben eine Couch verkauft — gebraucht, 150 Euro, Abholung und Überweisung. Jetzt fragen Sie sich: Muss ich das überhaupt ausstellen? Und was hat DAC7 damit zu tun?

Drei Fragen beschäftigen Privatverkäufer auf Kleinanzeigen und eBay 2026 am häufigsten: Muss ich eine Rechnung ausstellen? Was macht DAC7 mit meinen Daten? Und ab wann werde ich steuerlich als Gewerbe eingestuft? Alle drei beantwortet dieser Ratgeber — mit den geltenden Gesetzestexten und konkreten Handlungsempfehlungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Privatpersonen schulden Käufern auf eBay oder Kleinanzeigen keine Rechnung nach §14 UStG — ein freiwilliger Kaufnachweis genügt. - Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) verpflichtet Plattformen seit 2023, Nutzerdaten an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden, sobald mehr als 30 Transaktionen oder mehr als 2.000 € Jahresumsatz auf der Plattform erreicht sind. - Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs sind beim Privatverkauf einkommenssteuerfrei — auch wenn dabei ein Gewinn entsteht. - Die Differenzbesteuerung nach §25a UStG gilt nur für gewerbliche Händler mit gebrauchten Waren, die ohne Vorsteuerabzug eingekauft wurden; die Umsatzsteuer darf auf der Rechnung nicht gesondert ausgewiesen werden. - Ein Gewerbe ist anzumelden, sobald Verkäufe nachhaltig auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind — unabhängig davon, ob die DAC7-Meldeschwelle erreicht wurde.

Muss ein Privatverkäufer bei eBay oder Kleinanzeigen eine Rechnung ausstellen?

Eine Rechnung im Sinne des §14 UStG ist ein Abrechnungsdokument, das Unternehmer im steuerrechtlichen Sinne ausstellen, um Umsatzsteuer geltend zu machen. Privatpersonen sind keine Unternehmer nach §2 UStG — deshalb trifft sie keine gesetzliche Pflicht, eine §14-UStG-konforme Rechnung auszustellen.

Wenn Sie also die alte Gitarre oder den gebrauchten Drucker auf Kleinanzeigen verkaufen und der Käufer eine Rechnung verlangt, können Sie diese Bitte ablehnen. Einen Kaufnachweis — also eine einfache schriftliche Bestätigung über Artikel, Kaufpreis, Datum und beide Parteien — können Sie freiwillig ausstellen.

Ein Mustertext für einen Privatverkauf-Kaufnachweis:

Ich bestätige den Verkauf der Ware [Bezeichnung] am [Datum] zum Preis von [Betrag €] von Privat an [Name Käufer]. Verkauf ohne Gewährleistung, Rückgaberecht oder Umsatzsteuerausweis.

Steuernummer oder USt-Ausweis gehören nicht in diesen Nachweis — beides wäre sachlich falsch und könnte bei wiederholter Verwendung als gewerbliches Handeln interpretiert werden.

Gewerbliche Käufer als Ausnahme: Wer bereits als Unternehmer tätig ist (Gewerbe angemeldet, Selbstständiger), muss auf Anfrage eines B2B-Kunden spätestens 6 Monate nach Leistung eine vollständige Rechnung ausstellen (§14 Abs. 2 Nr. 1 UStG). Für Verkäufe an Privatkunden gilt eine andere Regelung.

Was bedeutet DAC7 für Privatverkäufe auf Kleinanzeigen und eBay?

DAC7 ist die EU-Richtlinie 2021/514 zur steuerlichen Transparenz digitaler Plattformen, in Deutschland seit dem 1. Januar 2023 durch das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) umgesetzt. Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen, Vinted oder Etsy sind verpflichtet, Transaktionsdaten ihrer Nutzer jährlich bis zum 31. Januar ans Bundeszentralamt für Steuern zu melden — dieses leitet die Daten an das zuständige Wohnsitz-Finanzamt weiter.

Die Meldegrenzen im Detail: Wann meldet die Plattform?

Eine Meldepflicht der Plattform entsteht, wenn ein Nutzer im Kalenderjahr auf dieser Plattform:

  • mehr als 30 Transaktionen abschließt, oder
  • einen Gesamterlös von mehr als 2.000 € erzielt

Beide Kriterien sind alternativ — es reicht, wenn eines erfüllt ist. Gemeldete Daten: vollständiger Name, Adresse, Steueridentifikationsnummer sowie Umsatz und Transaktionsanzahl.

Wichtig: Eine Plattform-Meldung bedeutet nicht automatisch Steuerpflicht. Das Finanzamt prüft anschließend, ob die Einnahmen tatsächlich steuerpflichtig sind. Bei Alltagsgegenständen und klarer Privatverkaufs-Situation ist das in aller Regel nicht der Fall.

Bewahren Sie Originalkaufbelege für verkaufte Artikel auf. Wer nachweisen kann, dass er mit Verlust oder zum Einstandspreis verkauft hat, hat bei einer Rückfrage des Finanzamts nichts zu befürchten.

Was passiert nach der DAC7-Meldung? Das Finanzamt erhält die Daten und prüft, ob Handlungsbedarf besteht. In der Praxis bedeutet das häufig einen Fragebogen, der erklärt werden soll — selten eine Betriebsprüfung. Wer auf Anhieb saubere Belege vorlegen kann (Kontoauszüge, Kassenbons, Kaufverträge), schließt das Verfahren in aller Regel mit einem Freistellungsbescheid ab.

Ab wann gilt ein eBay-Verkäufer als gewerblich?

Gewerblichkeit ist keine Frage einer starren Grenzzahl, sondern des Gesamtbildes. Finanzämter und Gerichte werten folgende Indizien aus:

  • Regelmäßigkeit und Nachhaltigkeit: Wer über Monate kontinuierlich verkauft, handelt nachhaltig — anders als jemand, der einmalig den Keller räumt.
  • Neuwaren oder gleichartige Artikel in großer Zahl: 30 neue identische Artikel zum Weiterverkauf wirken gewerblich; verkaufte Kinderkleidung aus dem eigenen Haushalt nicht.
  • Ankauf zum Weiterverkauf: Wer Waren günstig einkauft, um sie teurer zu verkaufen, betreibt Handel nach BFH-Rechtsprechung.
  • Professionelle Verkaufsgestaltung: Eigener Shop auf der Plattform, systematische Beschreibungen, gewerbliches Feedback-Profil.
  • Umsatz über der Kleinunternehmergrenze: Ab 25.000 € Jahresumsatz im Vorjahr gelten Sie steuerlich als Unternehmer, auch ohne formale Gewerbeanmeldung.

Eine starre Anzahl (“ab 50 Verkäufen”) gibt es nicht. Wer unsicher ist, sollte einen Steuerberater zurate ziehen — eine Betriebsprüfung im Nachgang kostet deutlich mehr als eine kurze Beratung.

Grauzone: Gelegentlicher Ankauf und Weiterverkauf. Wer zwei oder drei Mal im Jahr einen günstigen Fundstück kauft und mit Gewinn weitergibt, ist noch kein gewerblicher Händler. Wer aber systematisch Auktionen beobachtet, Preisunterschiede nutzt und regelmäßig Gewinne einfährt, agiert als Händler — unabhängig davon, ob er ein Gewerbe angemeldet hat. Das Finanzamt prüft die tatsächliche Absicht, nicht die Formalität der Anmeldung.

Steuern auf Privatverkäufe: Wann wird der Gewinn steuerpflichtig?

Private Veräußerungsgeschäfte sind in §23 EStG geregelt. Der entscheidende Punkt für die meisten Kleinanzeigen-Verkäufer: Gegenstände des persönlichen Gebrauchs (Möbel, Kleidung, Elektronik, Haushaltsgeräte) sind beim Privatverkauf einkommenssteuerfrei — auch wenn dabei ein Gewinn entsteht (§23 Abs. 1 Nr. 2 S. 2 EStG).

Ausnahmen bestehen für:

  • Immobilien: steuerpflichtig bei Verkauf innerhalb von 10 Jahren nach Kauf.
  • Edelmetalle, Kryptowährungen, Fremdwährungen: steuerpflichtig, wenn die Haltedauer weniger als ein Jahr beträgt.
  • Sammlerstücke mit Marktwert: Grauzone, im Einzelfall mit Steuerberater klären.

Die DAC7-Meldung durch die Plattform führt dazu, dass das Finanzamt Ihre Umsätze kennt und nachfragen kann. Mit Kaufbelegen, aus denen der Einkaufspreis hervorgeht, lässt sich das Privatverkaufs-Szenario klar belegen.

§25a UStG: Differenzbesteuerung für Wiederverkäufer gebrauchter Waren

Die Differenzbesteuerung nach §25a UStG ist eine umsatzsteuerliche Sonderregelung für gewerbliche Händler, die gebrauchte Gegenstände, Kunstwerke oder Antiquitäten von Privatpersonen (oder anderen Nicht-Vorsteuerberechtigten) eingekauft haben. Umsatzsteuer fällt dabei nicht auf den gesamten Verkaufspreis an, sondern nur auf die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis.

Rechenbeispiel: Ein Händler kauft einen Laptop für 100 € von einer Privatperson und verkauft ihn für 300 €. Differenz: 200 €. Darauf entfallen 19 % = 38 € Umsatzsteuer. Ohne §25a UStG wären es 57 € (19 % auf 300 €).

Pflichttext auf der Rechnung: Der Umsatzsteuerbetrag darf bei Anwendung der Differenzbesteuerung nicht gesondert ausgewiesen werden. Stattdessen ist folgender Hinweis Pflicht:

Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung nach §25a UStG — Differenzbesteuerung; Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen.

Voraussetzungen für die Anwendung:

  • Gewerbliche Tätigkeit (Gewerbe angemeldet).
  • Einkauf der Ware ohne Vorsteuerabzug — typischerweise von Privatpersonen.
  • Gesonderte Aufzeichnung von Einkaufspreis, Verkaufspreis und Differenz für jeden Gegenstand.

Die Differenzbesteuerung ist freiwillig. Wer sie nicht anwendet, rechnet Umsatzsteuer auf den vollen Verkaufspreis ab.

GoBD-Dokumentation für Wiederverkäufer: Wer §25a UStG anwendet, muss für jeden Gegenstand ein Aufzeichnungsblatt führen: Datum Einkauf, Einkaufspreis (inkl. Nebenkosten), Datum Verkauf, Verkaufspreis, berechnete Differenz und darauf entfallende Umsatzsteuer. Diese Aufzeichnungen sind GoBD-pflichtig und 8 Jahre aufzubewahren (Aufbewahrungsfristen nach HGB und AO). Eine Rechnungssoftware, die diese Belege automatisch GoBD-konform archiviert, spart bei Betriebsprüfungen erheblichen Aufwand.

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Welche Angaben enthält ein Kaufnachweis beim Privatverkauf?

Ein Kaufnachweis ist kein Dokument nach §14 UStG, sondern eine freiwillige Bestätigung zwischen Käufer und Verkäufer. Er dient als Nachweis bei Streitigkeiten. Sinnvolle Angaben:

  1. Datum des Kaufs
  2. Vollständiger Name und Anschrift beider Parteien
  3. Genaue Artikelbezeichnung (Marke, Modell, Seriennummer sofern vorhanden)
  4. Kaufpreis in Euro
  5. Zahlungsweg (Überweisung, bar, Plattform-Zahlung)
  6. Gewährleistungsausschluss: „Verkauf von Privat, Gewährleistung ausgeschlossen.”
  7. Unterschrift des Verkäufers

Keine Steuernummer, kein USt-Ausweis — beides ist sachlich falsch und kann bei wiederholter Verwendung als gewerbliches Handeln interpretiert werden.

Digitaler Kaufnachweis reicht aus. Eine E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht mit den oben genannten Angaben hat dieselbe Beweiskraft wie ein handschriftlich unterzeichnetes Dokument, solange der Inhalt eindeutig ist und die Nachrichten-ID als Zeitstempel dient. Für den Käufer empfiehlt sich, den Nachweis zusammen mit dem Kontoauszug aufzubewahren — relevant zum Beispiel, wenn das Gerät später in der Garantiezeit der Herstellergarantie reklamiert wird.

Wann muss ich für eBay-Verkäufe ein Gewerbe anmelden und wie?

Die Gewerbeanmeldung ist Pflicht, sobald Sie nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht handeln — nicht erst, wenn das Finanzamt fragt. Folgende Schritte gelten für den Übergang:

  1. Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt (online oder persönlich, Kosten: 20–50 €). Details zur Anmeldung lesen Sie unter Gewerbe anmelden Schritt für Schritt.
  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt ausfüllen — Sie erhalten Steuernummer und ggf. USt-ID.
  3. Kleinunternehmerregelung prüfen: Wer im Vorjahr höchstens 25.000 € Umsatz hatte und im laufenden Jahr die harte Grenze von 100.000 € nicht überschreitet, kann die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG wählen — keine USt auf Rechnungen, aber auch kein Vorsteuerabzug.
  4. Vollständige Rechnungsstellung nach §14 UStG für alle Geschäftskunden ab dem Anmeldedatum.
  5. GoBD-konforme Archivierung aller Eingangs- und Ausgangsrechnungen für mindestens 8 Jahre.

Wer auf anderen Plattformen wie Etsy oder Amazon verkauft, trifft ähnliche steuerliche Fragen. Details dazu lesen Sie im Artikel zu Rechnungen auf Marktplätzen wie Amazon und Etsy.

Muss ich als Privatperson bei Kleinanzeigen eine Rechnung ausstellen?
Nein. Privatpersonen sind keine Unternehmer im Sinne des §2 UStG und unterliegen nicht der Rechnungsstellungspflicht nach §14 UStG. Sie können freiwillig einen Kaufnachweis ausstellen, sind dazu aber rechtlich nicht verpflichtet.
Ab wie vielen Verkäufen meldet Kleinanzeigen oder eBay meine Daten ans Finanzamt?
Die Plattform meldet automatisch, sobald Sie auf dieser Plattform im Kalenderjahr mehr als 30 Transaktionen oder mehr als 2.000 € Umsatz erzielen. Die Meldung erfolgt bis zum 31. Januar des Folgejahres an das Bundeszentralamt für Steuern (PStTG §22).
Zahle ich Steuern, wenn eBay meine Daten ans Finanzamt meldet?
Nicht automatisch. Die Meldung ist ein Informationsaustausch. Steuerpflichtig werden Gewinne aus Privatverkäufen nur in Ausnahmefällen: Alltagsgegenstände (Kleidung, Möbel, Elektronik) bleiben steuerfrei. Bei Edelmetallen oder Kryptowährungen mit Haltedauer unter einem Jahr gilt §23 EStG.
Was ist der Unterschied zwischen Differenzbesteuerung und normaler Umsatzsteuer?
Bei normaler Umsatzsteuer gilt: 19 % auf den gesamten Verkaufspreis. Bei der Differenzbesteuerung nach §25a UStG gilt: 19 % nur auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Das reduziert die Steuerlast für gewerbliche Händler gebrauchter Waren erheblich.
Welchen Text brauche ich auf einer Differenzbesteuerungs-Rechnung?
Pflichttext: 'Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung nach §25a UStG — Differenzbesteuerung; Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen.' Dieser Hinweis ersetzt den üblichen USt-Ausweis. Alle anderen Rechnungspflichtangaben nach §14 UStG (Rechnungsnummer, Leistungsdatum, Steuernummer) bleiben verpflichtend.
Ab wann muss ich für Kleinanzeigen-Verkäufe ein Gewerbe anmelden?
Sobald Ihre Verkäufe nachhaltig auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind — nicht nach einer starren Stückzahl, sondern anhand des Gesamtbilds. Indizien: regelmäßiger Ankauf zum Weiterverkauf, gleichartige Neuware, systematische Verkaufsgestaltung. Das Finanzamt bewertet die Absicht, nicht allein die Transaktionszahl.

Was Sie jetzt tun

  • Private Verkäufer ohne Gewinnabsicht: Originalkaufbelege für Ihre Artikel aufbewahren, damit Sie bei einer Rückfrage des Finanzamts den Einkaufspreis nachweisen können.
  • Gelegenheits-Wiederverkäufer mit Gewinn: Prüfen Sie, ob bereits eine Gewerbeanmeldung nötig ist, und informieren Sie sich über die Kleinunternehmerregelung als kostenminimale Einstiegsoption.
  • Gewerbliche Händler gebrauchter Waren: Klären Sie mit Ihrem Steuerberater, ob §25a UStG für Ihr Sortiment passt, und stellen Sie Rechnungen mit dem korrekten Differenzbesteuerungs-Pflichttext aus.

Quellen